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Osnabrück, 29.4.2020

Interviewreihe "GEGEN Rechts!" - Heute: Akram Safar

Hallo Akram, wie geht es Dir? 

Trotz der derzeitigen Lage bin ich gesund und mir geht es gut, danke der Nachfrage. Ich wünsche allen anderen Menschen, dass sie bitte gesund bleiben und ihr Leben, trotz der Krise, gut und positiv gestalten können. 

 

Stell´ Dich doch bitte einmal kurz vor und sag´ uns, wie Du nach Deutschland gekommen bist. 

Ich bin Akram, 30 Jahre alt und komme aus Damaskus, Syrien. Dort ist bis heute Krieg und im Jahr 2008 bin ich in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Dubai, gegangen. 2018 habe ich Dubai verlassen, weil es für mich rechtlich nicht möglich war dort Staatsbürger zu werden. Wenn man dort seine Arbeitsstelle verliert, hat man nur sehr kleine Chancen innerhalb der nächsten zwei Monate einen neuen Job zu finden, was Voraussetzung für einen Aufenthalt ist. Die Konsequenz ist die Ausweisung und außerdem habe ich mich dort nie zuhause fühlen können. Daraufhin entschied ich mich, nach Europa zu kommen und bei null neu anzufangen. Ohne Probleme zur Ruhe zu kommen. Erst kam ich nach Mailand, allerdings war mein Ziel Schweden, weil mein älterer Bruder dort seit 2015 lebte. Er konnte mir eine Unterkunft bieten und mich in Allem ein wenig anleiten: Umgang und Leben in Europa. Außerdem konnten wir endlich wieder ein wenig zusammen sein, immerhin hatten wir uns seit 2009 nicht mehr gesehen. 

Nachdem ich im April 2018 in Italien angekommen war, bin ich also sofort weiter nach Schweden und habe dort meinen Antrag auf Asyl gestellt. Nach nur sieben Monaten wurde ich allerdings wieder abgeschoben, da ich ja über Italien in die EU eingereist war. Also wurde ich zurück nach Italien geschickt und da die Flughafenpolizei nicht besonders freundlich war und kein Vertrauen hatte, musste ich einen Tag in der Zelle verbringen. Am nächsten Tag bekam ich eine Karte mit zugewiesenen Unterkünften mit der Bitte, mir selbst eine Bleibe zu suchen. Als ich meine erste Wahl erreichte, war diese geschlossen. Also fuhr ich nach Bergamo, weiter südlich. Da ich dort auch kein Flüchtlingsheim fand, blieb ich im Hotel. Daraufhin suchte ich erneut die Polizei auf und traf auf einen freundlichen Beamten, der mich an ein Immigrationszentrum mit Sozialarbeitern verwies. Die wiederum waren nicht sehr nett und gaben mir einen Termin erst in der übernächsten Woche. Mit nur 300 $ in der Tasche und keiner Unterkunft, rief ich meinen Cousin in Deutschland an. Der riet mir hier her zu kommen und es hier mit dem Asylverfahren erneut zu versuchen. Ich nahm den Zug von Mailand nach Stuttgart mit der Angst, dass mich die Polizei im Zug kontrollieren und mich wieder zurück nach Italien schicken könnte. Dank Gott schaffte ich es nach Stadthagen. Nach ein paar Tagen ging ich zur Polizeistation in Hannover, die mich nach Fallingbostel ins Erstaufnahmelager schickte. Nach drei Monaten wurde ich dann nach Osnabrück umverteilt. 

 

Was machst Du zurzeit? 

Ich habe verschiedene Tätigkeiten und Aufgaben, zumeist in der Medienbrache. Ich hatte meine eigene Medienagentur in Dubai als selbständiger Unternehmer - DV Plus Agency. Events, Casting und Medienproduktionen habe ich die Erstellung von Filmen und Fotos angeboten sowie alles drumherum koordiniert und organisiert. Das versuche ich weitgehend aufrecht zu erhalten, da es meine Leidenschaft ist. Es geht nicht nur um das Einfangen eines Augenblicks bzw. die Darstellung eines Rahmens - es ist sehr viel mehr damit verbunden. Als Fotograph bin ich verantwortlich für jedes Foto und Video, das ich erstelle. Da steht dann auch jedes Mal ein kleines Konzept und mein Anspruch an die Qualität dahinter. Ich habe ein Verständnis für die Darstellung, Farben und die Bedeutung für den Betrachter. In diesem wichtigen Bereich absolviere ich Weiterbildungen, z.Zt. online.  

Zusätzlich arbeite ich auf Honorarbasis als Teamer / Helfer, Fotograph und Übersetzer bei Einsätzen mit dem NBV-Sportmobil. 

 

Wie bist Du zu diesem Job gekommen? 

In der Landesaufnahmeeinrichtung, dem Flüchtlingsheim Erich-Maria-Remarque-Haus in Osnabrück, habe ich lange Zeit mit Dirk gemeinsam im Fitnessraum trainiert. Wir haben uns schnell gut verstanden, weil er sehr offen ist und ich immer sehr interessiert bin. Erst war die Idee, ich könnte ein BFD-Welcome bei einem Osnabrücker Sportverein absolvieren. Allerdings war ich dazu leider schon zu alt. Als Dirk das Projekt mit dem Sportmobil begann, suchte er nach geeigneten Helfern und Teamern. Dazu kam, dass bei den ersten Einsätzen ein Fotograph mit dabei sein sollte, um die Aktionen bei den Veranstaltern professionell einzufangen. Daher sprach er mich an. Da ich auch noch viele Sprachen von Teilnehmern aus der Zielgruppe spreche und gut mit Kindern umgehen kann, bin ich dieses Jahr auch wieder sehr gerne mit dabei. 

 

Treibst Du aktiv Sport? Wenn ja, welche Sportarten sind dabei? 

Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich die Leidenschaft für den Sport. Ich habe Mixed Martial Arts (MMA) aktiv betrieben und bis jetzt trainiere ich so gut wie jeden Tag. Ich laufe / jogge, mache Thai Boxing, Fitness und Crossfit. 

 

Fühlst Du Dich integriert in Osnabrück bzw. Deutschland? 

Ich fühle mich in ganz Europa integriert, nicht nur in Deutschland. Vielen Dank an meinen Vater, der mich gelehrt hat, alle Menschen gleich anzunehmen und stets zu versuchen, sich in eine Gesellschaft einzubinden und anzupassen. Wenn ich irgendwo hinkomme, habe ich stets keine Probleme mit niemandem. Ich schätze mich als einigermaßen smarte Person ein, wie man im englischen zu sagen pflegt. Schlaue Personen fügen sich in Gesellschaften ein, schauen sich an, wie man sich wo zu verhalten hat und passen sich entsprechend an. Immer im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und ohne die eigene Identität aufzugeben. 

 

Vielen Dank für Deine Zeit und das tolle Interview! 

Sehr gerne, ich bedanke mich ebenfalls. 

 

NBV - Povey      Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt.


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