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Hamburg, 17.12.2019

Bernhard Wawersik - Engagiert im NBV

Bernhard Wawersik

Rund 40 Jahre hat Bernhard Wawersik Basketball gespielt. 2005 beendete der heute 67-Jährige seine aktive Karriere. Doch sein Engagement für den Basketball endete nicht nach der Schlusssirene. Bernhard war Trainer, Schiedsrichter, Ergebnissammelstelle, Schiedsrichterwart und ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Bezirks Lüneburg. Im Mai 2021 wird er sein Amt zur Verfügung stellen. Auf über 50 Jahre zwischen Parkett, Anrufbeantworter und Präsidiumssitzungen blickt Bernhard im Interview zurück und sinniert über mögliche Initiativen für die Zukunft des Basketballs.
 
  
Lieber Bernhard, wie bist Du zum Basketball gekommen? In den 1950ern und 1960ern dürfte der orangene Ball ja noch nicht so präsent im deutschen Sport gewesen sein. 
 
Als ich fünf Jahre alt war, ist mein Vater nach Osnabrück versetzt worden. Wie viele andere sammelte ich meine ersten sportlichen Erfahrungen im Fußball. Allerdings war ich häufig Torwart, sodass ich schon damals häufig den Ball mit der Hand gespielt habe (lacht). Ich konnte aber nur recht wenig mit diesem körperbetonten, für mich fast schon brutalen Spiel anfangen. Mein älterer Bruder hat mich dann sowohl zum Schwimmen als auch zum Basketball gebracht. Er hat als Leichtathlet unter anderem Stabhochsprung gemacht und ist dann irgendwann als langer und sprungstarker Mensch auch mit dem Basketball in Berührung gekommen. Mitte der 1960er Jahre habe ich dann mit dem Basketball angefangen und bin recht schnell in die Jugend des VfL Osnabrück gewechselt. Der VfL war ja 1967 deutscher Pokalsieger und 1969 deutscher Meister ­– also schon eine Adresse in Basketball-Deutschland. Der Sport war daher hier präsenter als andernorts. Die Spieler haben uns Jugendliche und Kinder dann auch trainiert – das war super. Ich habe dann während meiner restlichen Schulzeit und nach meinem Abitur mal mehr, mal weniger Basketball gespielt. Als ich dann mein Studium an der damaligen Fachhochschule in Buxtehude begonnen habe, wollte ich mich dann wieder verstärkt auf Basketball konzentrieren. An der FH gab es kein Team, allerdings erzählte mir der Hochschul-Präsident, dass gerade eine Basketball-Abteilung beim TSV Buxtehude aufgemacht worden war.
 
 
 
Also warst Du quasi schon Gründungsmitglied des Basketball-Teams des TSV? 
 
Fast! Die haben schon trainiert, allerdings steckte das alles noch in den Kinderschuhen. Ich bin dann eingestiegen und habe während meiner drei Jahre Studium dort gespielt. Dabei habe ich viele Freundschaften geschlossen, die bis heute bestehen. Auch, als wir dann kurze Zeit später in Hamburg das Architekturbüro gegründet haben, habe ich beim TSV weiter Basketball gespielt. Natürlich wollte ich schon immer auch die Partien gewinnen, aber die Freude am Spiel stand da ganz klar im Vordergrund. Dieser Sport hat mich immer gereizt, weil er einerseits körperlos war und andererseits eine Eleganz versprühte. Spielzüge kreieren, Pässe zielgenau an den Mann bringen – das hat mir sehr viel Spaß gemacht und war auch in Spielen auf vermeintlich geringerem Niveau möglich. Auch deshalb habe ich bis 2005 aktiv Basketball gespielt.
 
 
Immer für den TSV Buxtehude?
 
Ja, immer für den TSV. Natürlich hat es irgendwann immer weniger mit Leistungssport zu tun gehabt, aber der Spaß war immer da. Ich würde schon sagen, dass ich ein einigermaßen guter Aufbauspieler mit einem passablen Distanzwurf gewesen bin, aber nicht auf hohem Niveau. Wie sagt man so schön: Es war die Liebe zum Spiel, weshalb ich so lange gespielt habe. Auf dem Spielfeld konnte ich mich schon behaupten, aber nach der Sirene fand ich den Austausch mit den Gegenspielern eigentlich immer ganz gut und habe so viele Leute kennengelernt.
 
 
Die Liebe zum Spiel hat Dich dann zu neuen Aufgaben geführt?
 
Anfang der 1990er Jahre habe ich meinen Trainerschein gemacht und habe dann auch in Buxtehude zeitweise Training gegeben. Das ließ sich aber nicht immer mit meiner Arbeit in Hamburg vereinbaren. Ich war dann noch zwei Jahre Co-Trainer beim TSV. 1999 schaffte das Team den Aufstieg und ich war auch in der dann folgenden Oberliga-Spielzeit Assistenzcoach, gab den Posten aber später dann auf.
 
 
Ab 1997 und somit auch während Deiner Zeit als Assistenztrainer hast Du die Ergebnissammelstelle des Bezirks betrieben. Gerade in den 1990er Jahren dürfte das ja noch viel Zeit in Anspruch genommen haben?
 
Damals war es noch so, dass die Spielresultate via Telefon mitgeteilt werden mussten, um sie anschließend an die Presse weiterzuleiten. Dafür bekam ich einen Anrufbeantworter. Das war echt Arbeit, da ich jeden Sonntagabend den Anrufbeantworter abgehört und Ergebnisse gesammelt habe. Das war dann manchmal mit weiteren Telefonaten verbunden, weil beispielsweise ein Endergebnis am Telefon nicht zu verstehen war. Mit Hilfe der Ergebnisse musste ich dann auch die Tabellen der circa 20 Ligen auf den aktuellen Stand bringen. Zum Glück kannte ich mich damals schon etwas mit EDV aus, sodass es ein wenig schneller ging. Die Arbeit habe ich bis 2012 betrieben. Inzwischen läuft das ja eigentlich automatisch. Zusätzlich war ich dann auch noch als Schiedsrichter aktiv. Vor fünf Jahren war Schluss. Da wollten am Ende die Knie dann nicht mehr so mitmachen.
 

Lüneburgs Vorstandsvorsitzender Bernhard Wawersik: „Lehrer müssen den Wert dieses Spiels erkennen!“

 

Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Ergebnissammler – Du hast ja echt alles gemacht.
 
Sport hat mir mein Leben doch sehr stark strukturiert. So habe ich dank des Schwimmens eine starke Konzentrationsfähigkeit aufgebaut, von der ich sowohl früher in der Ausbildung als auch heute sehr profitiere. Ich hatte immer viel Spaß. Sport hat mir viel gegeben. Dem Sport etwas zurückzugeben, war immer meine Motivation.
 
 
Wie kam es dann dazu, dass Du zum Vorstandsvorsitzenden des Bezirks Lüneburg gewählt wurdest?
 
2005 wurde ich gefragt, ob ich nicht Sportwart des Bezirks werden möchte. Das konnte ich mir vorstellen und bin dann zur Vorstandssitzung gegangen. Allerdings stellte sich dann heraus, dass ein Schiedsrichterwart viel dringender gesucht wurde. Die Aufgabe habe ich dann gerne übernommen. Ich habe mich dann darum gekümmert, dass die Schiedsrichterkommission, die es früher schon mal gab, wieder aktiviert wird. Diese Kommission besteht bis heute. Ich war dann bis 2009 Schiedsrichterwart des Bezirks. Dann war es so, dass der damalige Vorstandsvorsitzende sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Ich hatte mich zunächst nicht gemeldet, aber dann wurde ich direkt gefragt, ob ich nicht der neue Vorstandsvorsitzende sein könne. Da war man mit meiner getanen Arbeit wohl zufrieden (schmunzelt). Ich habe dann zugesagt und bin somit seit 2009 der Vorsitzende. Im Mai 2019 wurde ich erneut für eine weitere, zweijährige Amtszeit gewählt. Ich habe aber schon mitgeteilt, dass diese meine letzte Amtszeit sein wird.
 
 
Dann wirst Du zwölf Jahre im Amt gewesen sein. Warum hast Du den Entschluss gefasst, dass 2021 Schluss ist?
 
Ich hätte da immer noch Lust drauf – das wäre nicht das Thema. Aber ich bin jetzt 67 Jahre alt und will mich nicht am Stuhl festklammern. Nein, es müssen Jüngere machen. Ich kann mir vorstellen, beratend zur Verfügung zu stehen. Mal schauen, was da kommt.
 
 
Als Bezirksvorsitzender bist Du ja auch Mitglied des NBV-Präsidiums. Wie hast Du die Initiative „NBV 2020“ erlebt, die im November 2012 ins Leben gerufen wurde?
 
Im Zuge dessen wurde wirklich jeder Stein umgedreht und geschaut, wie der Verband noch effizienter arbeiten kann, um sich für die Zukunft bestens aufzustellen. Da habe ich mich auch engagiert und das begleitet. Ich war da nicht der Vorreiter, aber ich habe sicherlich auch den einen oder anderen kleinen Impuls gesetzt. An der Eingliederung von Bremen in unseren Verband habe ich etwas mitgewirkt. Ich empfinde die grundsätzlichen Veränderungen im Verband als sehr gut. Früher gab es die eine oder andere langweilige Präsidiumssitzung – das ist heute viel strukturierter. Und das kommt auch gut an. Und ich habe mich für die Initiative „NBV 2020“ auch engagiert, weil ich hoffe, dass es die Dichte des Basketballs in der Region erhöht. Das kann ein Bezirk alleine kaum schaffen.
 
 
Bernhard als Teilnehmer beim NBV-Symposium 2016 in Hannover
Kannst Du das genauer erläutern?
 
Es ist ein riesiger Bezirk mit verhältnismäßig wenigen Vereinen und wenigen Spielern. Diese Tatsache bereitet mir für die Zukunft schon etwas Sorge. Da sind Auswärtsreisen am Wochenende mit 100 Kilometern pro Strecke keine Seltenheit. Basketball ist zurzeit eine kostspielige Sportart. Nach meiner Auffassung ist ein Bezirk aufgrund seiner Struktur kaum in der Lage, für Impulse zu sorgen, damit mehr Leute Basketball spielen. Stattdessen ist es eine Maschinerie, um den Spielbetrieb und die Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern zu organisieren. Mehr kann ein Bezirk fast nicht leisten.
 
 
Was müsste stattdessen passieren, damit mehr Leute im Verein Basketball spielen?
 
Der Ansatz müsste aus einer ganz anderen Richtung kommen, um etwas zu bewegen. Ich glaube persönlich, dass die Schulen und Lehrer der entscheidende Punkt für so eine Entwicklung sein könnten. Da haben wir als Bezirk natürlich überhaupt keinen Einfluss. Vielleicht hat der NBV da eine Möglichkeit, da er auf Landesebene tätig ist und womöglich etwas machen kann. Lehrer müssen den Wert dieses Spiels erkennen. Mit James Naismith war es ja auch ein Lehrer, der diese Sportart empfunden hat, um Fairness und sportliche Werte bei Schülern zu implementieren. Aber natürlich könnten auch andere Leute die Initiative ergreifen.
 
 
Welche Rolle spielen in diesem Prozess die Vereine?
 
Vereine müssen überzeugt werden, so einen Sport aufzunehmen. Die müssen natürlich zusehen, wie sie mit ihrem finanziellen Budget auskommen. Aber die Voraussetzungen für Basketball sind ja meistens da. Vereine haben entweder eine eigene Halle oder nutzen die Turnhalle einer Schule. Und Basketballkörbe hängen da ja meistens auch. Es fehlt halt meistens der Initiator. Die Lehrer trauen sich selbst so etwas dann häufig einfach nicht zu. Natürlich brauchst du ja auch interessierte Kinder. Aber die lassen sich ja schnell für Sportarten begeistern. Und dann gibt es auch noch sportliche Vorbilder wie Dirk Nowitzki oder Dennis Schröder, denen die Kinder nacheifern können.
 
 
Das Potenzial ist also da.
 
Hier in Hamburg laufen häufiger Kinder mit einem Basketball als mit einem Fußball durch die Stadt. Dort, wo ein Spielplatz ist, hängt auch häufig ein Korb. Fährt man etwa durch das alte Land, gibt es in fast jedem Dorf Basketballkörbe. Zusätzlich könnte auch 3x3 ein weiterer Ansatz sein, dass sich noch mehr Leute für Basketball interessieren.
 
 
Wenn Du auf die letzten Jahrzehnte deiner Tätigkeit im Bezirk und Verband schaust: was muss zukünftig besser werden?
 
Die angesprochene Vereinsdichte muss flächendeckend erhöht werden, die Entfernung zwischen Vereinen müsste beispielsweise halbiert werden. Wir müssen es schaffen, Begeisterung zu entfachen. Ansonsten kommt es nämlich andersrum. Ansonsten wird es immer weniger Vereine geben. Dafür gibt es ja bereits jetzt Beispiele. Bei uns gibt es immer wieder mal Anmeldungen von Vereinen, aber die Zahl der Abmeldungen ist etwas größer. Wir befinden uns da an einem Punkt, der kritisch sein könnte. Klar, es wird dann immer noch Kernvereine geben. Bezirke können da sehr schnell ausbluten. Das geht dann ganz schnell. Es ist nicht so, dass ich dem Bezirk oder dem NBV einen Vorwurf mache. Bei beiden ist die Organisation des Spielbetriebs die Hauptaufgabe. Ich habe nur die Sorge, dass die Anzahl der Vereine geringer wird. Bei meinem Verein, dem TSV Buxtehude, war lange Zeit gar nichts los. Da spielte nur noch eine Mannschaft. Aber da passiert jetzt auch was, weil ein neuer Basketballspielender Lehrer dorthin gekommen ist. Der organisiert da jetzt frisch vor sich hin. Da sind zwei, drei Jugendmannschaften entstanden, es gibt wieder zwei Herren-Teams. Es liegt letztlich an den einzelnen Personen. Und die muss man immer unterstützen.
 
 
Welche Momente aus der Zeit Deiner Tätigkeit und Laufbahn werden Dir in Erinnerung bleiben?
 
Es gab immer mal wieder bei uns im Bezirk Situationen, wo es Reibereien gab. Da habe ich immer versucht, mich der Sache schlichtend anzunehmen. Dinge sollten so organisiert werden, dass sie funktionieren. Übertriebener Ehrgeiz und übersteigerte Hysterie führen ja zu nichts. Ich glaube, dass meine Arbeit da ganz erfolgreich war. Ich fühle mich sehr wohl momentan. Wir haben ein harmonisches Miteinander in unserem Vorstand, was ich sehr gut finde. Das war am Anfang nicht so. Ich hatte und habe tolle Unterstützer wie etwa Carsten Brokelmann vom VfL Stade, der dort inzwischen Präsident ist. Er kennt sich in allen möglichen Themen, was den Sport angeht, aus und hilft sehr viel. Von Leuten wie ihm gibt es so einige. Ansonsten erinnere ich mich gerne daran, dass wir den Verbandstag zum Verbandstag der Vereine gemacht haben. An der Änderung war ich auch ein wenig beteiligt. Bewegt hat mich der Tod unseres vorherigen Präsidenten Andreas Dienst mit dem ich ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis hatte.
 
 
Wie fällt Dein Fazit aus?
  
Ich denke, dass ich das ganz in Ordnung gemacht habe. Von Natur aus bin ich aber nie mit mir komplett zufrieden. Und dann bin ich auch noch Architekt. Da ist man auch niemals zu 100 Prozent zufrieden (schmunzelt). Es gibt immer Dinge, die man noch besser hätte machen können. Im Nachhinein hätte ich von mir gewünscht, dass ich häufiger in die Vereine gegangen wäre. ‚Wo drückt Euch der Schuh? Wo können wir helfen?‘. Ich wäre am liebsten zu allen Dorfvereinen gefahren und sie gefragt: ‚Wollt Ihr nicht Basketball spielen? Basketball ist ein geiler Sport‘. Das habe ich leider einfach nicht geschafft. Das könnte zukünftig besser gemacht werden. Mit der Gebietsreform wird sich strukturell einiges verändern. Dann ist der NBV bei der Entwicklungshilfe noch mehr gefragt. Der Basketball selbst ist aber auch gefragt. Von der Grundstruktur ist Basketball in meinen Augen der telegenste Sport. Es gibt ein klar definiertes Ziel, das fast immer für den Zuschauer sichtbar ist. Es ist dynamisch ohne Ende und es passiert viel. Diese Sportart ist wunderbar komplex, aber sie darf durch zusätzliche Regelerweiterung nicht noch komplexer und komplizierter gemacht werden. Das schreckt Neulinge und Interessierte im Zweifel ab.
 
 
Lieber Bernhard, vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für Deine Zukunft.

Das Interview führte Jan-Hendrik Luft.
 
Jan-Hendrik ist Sport-Journalist in Hamburg. Sein Blick ist natürlich immer auf das Spielfeld gerichtet, doch hat er vor allem ein Faible für die Kultur und die Menschen hinter den Sportarten.
 
Vielen Dank Jan-Hendrik für Dein #Engagement an dieser Stelle.

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